Institutionskritik
Kollektivität
Installation
Autorschaft
Kathrin Baumgartner, Milena Bassen, Anna Beil, Franziska Grassl, Ines Hanf, Anna Hofmann, Ella Pechechian, Eric Reh, Anna Sukhova, Tanya Tverdokhlebova
Hell Yes Store

Der Konsum gilt in Anbetracht unsicherer Zeiten als gegenwärtiges Flucht-Szenario und symbolisiert die persönliche Unvollständigkeit. Hell Yes ist eine Konsumkritik, die vorhandene Muster im Konsumverhalten aufgreift. Es werden individuelle Vorstellungen kuratiert. Serielle sowie künstlerische Arbeiten werden als Must-have markiert und gleichgesetzt. Der/die Konsument:in und dessen/deren Interaktion wird navigiert und fremdbestimmt. Die Wertschätzung gegenüber der individuellen künstlerischen Arbeit tritt zurück. Die Form und Gestaltung, das Produkt, bleibt omnipräsent die Kunst an sich bleibt verborgen. In der Verborgenheit liegt die Suggestion und das Bedürfnis nach Haben-wollen.

Dirigiertes Kaufverhalten*, Analoges Onlineshopping als Zitat des Verlustes von haptischer Erfahrung, sinnloses Flanieren, rein visueller Konsum, eine omnipräsente Übersättiung, welche durch soziale Medien und der ständigen Bombardierung mit Werbung, bzw. Selbstdarstellung mit erworbenen Produkten, angestachelt wird. Der strenge Ton unterstreicht die “Black-Friday-Kultur”, fomo (=fear of missing out) und allgemein den empfundenen Stress durch ständige Verfügbarkeit der Dinge bei gleichzeitigem Ausverkauf.

Die Künstler:innen stellen dem/der Rezipient:in mit ihrer Arbeit, in der ihre Persönlichkeit steckt, auch ihr kulturelles Kapital* zur „Verfügung”. Über den Erfolg der Darbietung entscheidet der sich selbstregulierende Markt, durch Angebot und Nachfrage. Ökonomische Prozesse intervenieren und regulieren. Es ensteht ein enormer Druck unter die einzelnen Akteur:innen, da deren Selbstzweifel und Selbstbewusstsein durch den Bewertungsprozess von außen stetig angezweifelt wird.

Wo beginnt die Abhängikeit aus künstlerischen Perspektive oder die Ohnmacht in einem kapitalistischen System? Wird Kunst produziert, um konsumiert zu werden, oder dient sie allein dem persönlichen Ausdruck von Gedanken? Wo unterscheidet sich angewandte Kunst von freier Kunst? Funktioniert Kunst unabhängig von ihren inhärenten Abhängigkeiten als Produkt? Wie wichtig ist einem persönliche Sicherheit in einem System? Wie viel Wert ist die eigene Arbeit?

Die Festlegung des Preises steht im Konflikt zwischen eigener „Wertschätzung” des Wertes, den das Objekt durch das künstlerische Schaffen, gedankliches Eigentum und die Produktion bekommt und der Erwartung des Konsumenten, der zwischen Nutzen für sich, persönlichem Vermögen, Prestige und Unterstützungswillen abwägt. Qualität und Menge widersprechen sich. Die Austauschbarkeit und Materialflut des Gleichen wird mit der Menge der Boxen und der etwaigen seriellen Neuproduktion einzelner Objekte,je nach Erfolg, zitiert.

* Jean Baudrillard, Das System der Dinge
* Pierre Bourdieu, Die feinen Unterschiede

Ausgehend von der Annahme, dass unser heutiger Lebensstil vorwiegend konsumorientiert ist, bauten die Teilnehmer:innen des Hell Yes Store eine höllenartige Installation mit Konsummöglichkeit, um über das Verbraucher:innenverhalten und die Präsentation von Kunst und Design zu reflektieren. Einerseits begleitet ein kompliziertes Verfahren die Objekte auf dem Weg zur Theke. Sie werden klassifiziert, nummeriert und mit einem Artist-Statement ergänzt. Alle Produkte sind einheitlich verpackt, geschmackvoll im Raum verteilt und verfügbar, um nach Hause mitgenommen zu werden. Andererseits werden die ökonomischen Strukturen, die auf uns Käufer:innen wirken, ins Licht gesetzt. Die Besucher:innen werden mit Ton, roter Farbe und einer Vielzahl von Kartons angelockt.


Ästhetische Versuchungen und Kaufversprechen treten hier nebeneinander bis zur Überforderung sinnlicher Eindrücke auf. Hier wird das Zurücktreten der Künstler:innen und die Rolle der Warenpräsentation, die oft in den Vordergrund tritt, in Frage gestellt. Inwieweit darf die Gestaltung bestimmend sein? Wie lange ist das Verweilen im Laden zu ertragen, wenn der Ton zur aufdringlichen Stimme wird, die beinahe Kaufbefehle erteilt? Bewirkt diese Überreizung eine Behinderung oder Förderung des Kaufverhaltens?

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#24Off_lineDiskurse über Zukunft – Bernd Kracke, Matthias Wagner K